Unser Motorradanhänger


Um unsere Zweiräder Reifenschonend zu bewegen, unseren Hinterteilen lange Autobahnetappen zu ersparen und um auch im Winter sicher in die Häfen zu kommen, wo die Fähren in wärmere Gefilden abfahren, haben wir uns einen Motorradanhänger zugelegt. So ein Anhänger spart Zeit, man kann mit dem Auto leichter in der Nacht und bei jedem Wetter fahren und Energie, man kann sich beim Fahren abwechseln. Allen die uns jetzt Weicheier oder ähnliches zurufen wollen sei gesagt, wenn ihr mal so viele Kilometer zu jeder Jahreszeit zurückgelegt habt wie wir, dann dürft ihr wieder vorsprechen, wir haben uns diese Bequemlichkeit mehr als verdient!

Unser Anhänger mit montierter Alubox als Staufach

Der Anhänger mit montierter Alubox als Staufach

Als ich den Anhänger damals gekauft habe, war es natürlich wieder mal auf den letzten Drücker vor einer Tour. Ich hatte weder Zeit mir Gedanken zu machen welche Ansprüche ich eigentlich an einen Anhänger habe noch (ehrlich gesagt) das nötige Kleingeld für eine bessere Qualität. Ich kaufte damals einen Motorradanhänger von Stema. In der Zwischenzeit habe ich schon einige der (schlecht) verzinkten Teile gegen solche aus Edelstahl ausgetauscht. Nachdem mir einer der runderneuerten Reifen auf der Autobahn weggeflogen ist, habe ich gleich zwei richtige Reifen und auch zwei Nummern breitere (175er statt 155er) montiert, mit dem Geschwindigkeitsindex T (190 km/h). Außerdem habe ich eine Reserveradhalterung selbst gebaut und das Reserverad unter den Anhänger montiert. Inzwischen habe ich vorn auf die Deichsel eine Alukiste (ca. 80 Liter) geschraubt, wo ich die ganzen Spanngurte und etwas Kleinkram verstauen kann.

Wenn ich noch mal einen Motorradanhänger kaufen müsste/wollte, dann sollte es auf jeden Fall ein gebremster Hänger mit einem guten Fahrwerk sein. Da man z. B. in Frankreich (wo ich öfter unterwegs bin) mit Anhänger 130 km/h schnell fahren darf, kommt man mit einem Billighänger wie den Stema schnell an die Grenzen des Fahrwerks. Der Anhänger sollte dann auch breit genug für drei Motorräder sein. Zum einen stehen die Maschinen dann nicht ganz so dicht beieinander, zum anderen können die äußeren Spannriemen etwas flacher verlaufen, dann stehen die Maschinen etwas sicherer. Außerdem hat man dann noch genügend Platz für Gepäck zwischen/neben den Maschinen. Nachfolgend ein paar Überlegungen zu einem für mich (fast) perfekten Anhänger ...


Gedanken zu einem IMHO guten Anhänger
Nachfolgend habe ich einige Punkte aufgeführt, die mir, nach den Erfahrungen mit meinem "Billighänger", beim Kauf eines neuen Motorradanhängers wichtig wären. Andere Leute können da durchaus andere Meinungen haben ...

Bremse oder nicht?!
Der Hänger sollte auf jeden Fall ein gebremster sein. Zum einen braucht man kein so großes Auto, ein Golf II z. B. darf nur ca. 500 kg ungebremst ziehen, aber ca. 1.000 kg gebremst und zum anderen merkt man einen gebremsten Anhänger am erheblich kürzeren Bremsweg -> Sicherheitsplus!

Nachteil der Bremse: Der Preis eines gebremsten Anhängers ist deutlich höher als ein ungebremster. Mit der Zeit können die Bremsseile und die bewegten Teile der Bremse fest gammeln, was immer für ein paar Stunden Arbeit zumindest vor dem TÜV-Termin sorgt. 

Fahrwerk
Der Anhänger sollte ein richtig gefedertes und gedämpftes Fahrwerk haben und nicht diese schwammigen Gummifederachsen. Ehrlich gesagt fährt man ja nicht immer nur die erlaubten 80 km/h, in Frankreich z. B. darf man mit Anhänger 130 km/h fahren. Außerdem bekommt man dann einfacher eine 100 km/h-Zulassung für Deutschland, sofern die anderen Vorraussetzungen auch erfüllt sind (siehe Kasten).

Wem die 80 km/h zulässige Höchstgeschwindigkeit in Deutschland zu gering sind, der kann sich unter bestimmten Voraussetzungen beim TÜV ein Gutachten für 100 km/h erstellen lassen. Im Internet habe ich ein Excel-Sheet gefunden mit dem man überprüfen kann, unter welchen Voraussetzungen ein solches Gutachten erteilt wird. Leider weiß ich nicht mehr wer es erstellt hat, wenn ich es erfahre, werde ich den Ersteller hier natürlich namentlich erwähnen. Ansonsten gilt mein Dank dem Unbekannten!

Download Excel-Sheet

 

Größe des Hängers
Der Hänger sollte so groß sein, dass sich die Maschinen im verzurrten Zustand nicht gegenseitig berühren oder an den Radkästen anliegen. Dazu kann man sie auch etwas versetzt fixieren, also eine Maschine ganz nach vorne, die andere etwas weiter nach hinten versetzt, so dass die Lenker nicht ineinander hakeln. Am besten wäre ein Anhänger, wo man notfalls auch drei Maschinen drauf bekäme. Bei Beladung mit zwei Maschinen stehen dann die Spanngurte nicht zu steil und können so die seitlichen Kräfte besser aufnehmen. Außerdem gibt es genügend Situationen, bei denen man gerne ein drittes Motorrad draufpacken würde, wodurch auch die Spritkosten durch drei statt nur durch zwei geteilt werden können. Zusätzlich hätte man auch noch genügend Platz für weiteres Gepäck wie Koffer und Gepäckrollen, so dass man im Auto genug Platz hat, um auf langen Anfahrten, z. B. Anfahrt nach Marokko, auf einem Autobahnparkplatz seine Fahrtüchtigkeit wiederherzustellen. Je nach Zugfahrzeug kann man sich dann etwas ausgestreckter zur Ruhe legen oder bei einem Kombi sogar richtig liegend schlafen. Das ist auch während der Fahrt möglich, einer fährt und der/die andere liegt im Fond und schläft sich für die nächste Fahretappe fit. Natürlich ist das nicht erlaubt, habe ich aber schon öfter praktiziert ...

Das zulässige Gesamtgewicht des Hängers sollte so bemessen sein, dass man genug Reserven hat. Zwei Africa Twins z. B. kommen schon an die 500 kg Marke heran, ein entsprechender gebremster Anhänger liegt gewichtsmäßig mindestens bei 150 kg. Will man noch die (beladenen) Koffer und Gepäckrollen unterbringen, sollte der Hänger mindestens 750 kg zul. GG haben.

Solche "schweren" Anhänger sollten auch ein Stützrad an der Deichsel haben, damit lässt sich einfach und mit wenig Kraftaufwand manövrieren, bzw. ab- und ankoppeln. Wenn man dann noch am Heck des Hängers zwei ausfahrbare Stützen hat, kann man den Hänger auch beladen, ohne das er am Zugfahrzeug angekoppelt ist.

Auf der Deichsel sollte man eine Alukiste befestigen können, wo man die Spanngurte und einige weitere Kleinigkeiten, z. B. Fett für die Anhängerkupplung, Kontaktspray für die Rücklichter (siehe auch Kapitel Licht) unterbringen kann, das ist praktisch und man hat immer alles dabei.

Kasten- oder richtiger Motorradanhänger
Manche bevorzugen einen normalen Kastenanhänger, in den sie sich Schienen reinschrauben, da man den auch für andere Transporte (Haus, Garten, Umzug usw.) nutzen kann, so einer ist halt variabel. Ich selbst habe einen reinen Motorradanhänger und einen Kastenaufbau bisher noch nicht vermisst. Ich würde es für mich vom Preis des Hängers abhängig machen. Schraubt man die Schienen runter, kann man sich leicht eine Schalplatte draufschrauben und sonst was transportieren.

Entscheidet man sich für einen Kastenanhänger, sollte die Bauform so breit sein, dass die Maschinen nicht mit den Bordwänden in Berührung kommen oder die seitlichen sowie die vorderen und hinteren Bordwände sollten leicht zu entfernen bzw. zu montieren sein. Oft sind die Kotflügel an den seitlichen Bordwänden befestigt und brauchen dann eine zusätzliche stabile Halterung. Stabil heißt, auch gegen Schwingungsbruch ausgelegt. Ich habe schon Anhänger gesehen, die einen oder beide Kotflügel verloren haben - Hallo Luigi ;-).

An einen normalen Kastenanhänger müssen auch oft noch stabile Verzurrpunkte angebracht werden, die an reinen Motorradanhängern schon vorhanden sind.

Reifen
Die Reifen sind besonders wichtig. Normalerweise sind auf Anhängern runderneuerte oder qualitativ schlechte Reifen montiert, zum einen um den Preis niedrig zu halten und zum anderen, weil man mit Hänger eh nicht so schnell fahren darf. Runter mit dem lebensgefährlichen Krempel und gleich gute Markenreifen, evtl. sogar LKW-Reifen (Klein-LKW wie VW-Bus o. ä.) montieren lassen. Geschwindigkeitsindex min. S (180 km/h). Dann immer auf genügend hohen Luftdruck achten (steht meist auf den Reifen drauf), bei LKW-Reifen z. B. liegt der Druck, je nach Beladung, bei ca. 4 bar. Ansonsten sind Reifenschäden (und evtl. resultierende Unfälle) vorprogrammiert. Mir sind schon dreimal Erstausrüster-Reifen weggeflogen, bei Bekannten war es ähnlich, ohne dass wir die Reifen über die Grenzwerte hinaus beansprucht hätten!

Abgelöste Lauffläche bei einem Reifen

Abgelöste Lauffläche bei einem Reifen
(Marokkotour 2000/2001)

Falls es trotzdem zu einem Reifenschaden kommt, sollte ein geeignetes Ersatzrad vorhanden sein. Praktisch ist, wenn zufällig auch das Ersatzrad des Zugfahrzeuges passt, oft ist es aber nicht so oder man wechselt das Zugfahrzeug und es passt wieder nicht. Das Ersatzrad am besten am Anhänger selbst montieren und so anbringen, dass man leicht den Luftdruck prüfen kann. Sonst vergisst man es oder man ist zu faul für aufwändige Montagearbeiten und wenn man das Ersatzrad dann braucht, ist nicht mehr genügend Luft drin.

Wichtig bei einer Reifenpanne ist auch, einen passenden Wagenheber und natürlich auch einen passenden Schlüssel für die Radschrauben des Anhängers dabei zu haben, am besten ausprobieren, ob die Teile vom Zugfahrzeug passen oder passend gemacht werden können.

Licht
Es ist oft wie verhext, immer dann wenn man den Hänger dranmacht, geht irgendein Licht nicht. Oft sind billige undichte Rücklichtgläser schuld, die Feuchtigkeit durchlassen wodurch die Kontakte oxidieren und die Lampen nicht mehr brennen. Durch Schwingungen und Vibrationen gehen auch die Glühlampen öfter mal kaputt. Gut wenn man eine Alukiste auf der Deichsel hat, in der Ersatzlampen und eine Dose Kontaktspray enthalten ist (kann natürlich auch im Auto transportiert werden ...).

Welche Marke
Marken gibt es viele, da will ich mich jetzt nicht festlegen. Ein überregionaler Anbieter muss nicht besser oder schlechter sein als ein kleiner Anhängerbauer um die Ecke. Bei letzterem kann man vielleicht eher Sonderwünsche berücksichtigen lassen. Auf dem Gebrauchtmarkt gibt es auch einiges, je nach Alter und Zustand muss man aber oft noch einige Arbeitsstunden und/oder Geld investieren, um z. B. festgerostete Bremsseile oder überalterte Reifen zu wechseln. Dabei auch auf nachträgliche Schweißnähte an Halterungen usw. achten, oft sind gerade die Kotflügel zu einfach befestigt und vibrieren nach einigen Kilometern ab.

Am besten mal eine Suchmaschine quälen und sich mal einige Anbieter im Netz ansehen, um mal ein Gefühl für Ausstattung und Preise zu bekommen. Im Branchenverzeichnis kann sich auch die heimischen Hersteller/Vertreiber heraussuchen und vor Ort besuchen.